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Bericht der Grafschafter Nachrichten vom 10.05.2017:

 

Löwenkopfsteine erinnern an Veldhauser Synagoge

Mit Gedichten und einem Lied begleiteten Kinder der Klasse 4a der Carl-van-der-Linde-Schule die Feierstunde zu den zwei neu aufgestellten Löwenkopfsteinen am Kaiserplatz in Veldhausen. Foto: Andre Berends

Zwei Sandsteinquader mit Löwenkopfrelief – mehr ist von der Synagoge in Veldhausen nicht erhalten. Sie wurde vermutlich 1881 abgerissen. Nun sind die beiden Steine, von Kies umrahmt, an den Kaiserplatz zurückgekehrt.

Veldhausen.Um 1825 lebten in Veldhausen neun jüdische Familien mit 43 Mitgliedern. Damit galt das kleine Dorf bei Neuenhaus als Zentrum des jüdischen Lebens in der Grafschaft. Die Gemeindemitglieder feierten regelmäßig Gottesdienst. Um dafür nicht immer Privaträume nutzen zu müssen, baten sie Ende der 1830er-Jahre beim königlichen Ministerium des Innern in Hannover um Genehmigung für den Kauf eines Grundstücks und den Bau einer Synagoge.

Hannover erteilte die Genehmigung und die Gemeinde errichtete ihr Gotteshaus. Die Hälfte der Kosten konnte über eine Kollekte, die in der gesamten Grafschaft gesammelt wurde, gedeckt werden. Die andere Hälfte musste über Kredite finanziert werden. „Als die Gemeinde sich in den 1870er-Jahren durch Wegzug rapide verkleinerte, stellte sich heraus, dass die Schulden von den verbliebenen Mitgliedern nicht mehr getragen werden konnten“, berichtet Christa Pfeifer. Sie gehört einer kleinen Arbeitsgruppe an, die die Geschichte der Veldhauser Synagoge aufgearbeitet hat.

Steine in Füchtenfeld und Bad Bentheim

Die nun nur noch sehr kleine Gemeinschaft Veldhauser Juden schloss sich der Synagogengemeinde Neuenhaus an. 1881 wurde beschlossen, die Veldhauser Synagoge zu verkaufen. Kurz darauf muss das Gebäude abgerissen worden sein. Bis heute wurde das Grundstück an der Straße Am Kaiserplatz nicht wieder bebaut. Von der Synagoge erhalten blieben nur zwei kleine Sandsteinblöcke, die vermutlich aus dem Eingangsbereich stammen: die Löwenkopfsteine. Sie dürften beim Abriss verloren gegangen sein, wurden um 1910 zufällig wieder ausgebuddelt – und traten voneinander getrennt eine kleine Odyssee an, die sie unter anderem nach Füchtenfeld und ins Sandsteinmuseum nach Bad Bentheim führte.

Nun sind die Löwenkopfsteine an jenen Ort zurückgekehrt, an dem einst die Veldhauser Synagoge stand. Umrahmt von Kies und Pflanzen stehen sie am Bürgersteig. Eine kleine Tafel weist auf ihre Geschichte hin. Die Idee, die Löwenkopfsteine dort aufzustellen, war vor fünf Jahren aus den Reihen der Heimatfreunde Neuenhaus an die Politik herangetragen worden. Die Arbeitsgruppe um Christa Pfeifer, die bei der Eröffnung der Anlage am Freitag stellvertretend für die Beteiligten sprach, forschte und entwickelte erste Pläne.

Günter Oldekamp: „Symbol und Denkmal“

Den Heimatfreunden sei es zu verdanken, dass die Löwenkopfsteine überhaupt an ihren alten Standort zurückkehren konnten, meinte der Neuenhauser Stadtdirektor Günter Oldekamp. Die Stadt sehe die Steine als „Symbol und als Denkmal für frühere jüdische Mitbürger, die in Veldhausen lebten“. Sie stünden auch dafür, dass Juden und Christen in einem Ort miteinander gelebt haben. „Insoweit steht diese Denkmalsanlage in der heutigen Zeit auch gegen Fremdenfeindlichkeit und für einen respektvollen Umgang, unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Herkunft“, sagte Günter Oldekamp.

Christa Pfeifer erinnerte während der Feierstunde daran, dass einer der berühmtesten Söhne Veldhausens ein Mitglied der jüdischen Gemeinde war: Carl van der Linde. Seine Familie war 1813 aus dem Raum Würzburg nach Veldhausen gekommen. Carl van der Linde wurde 1861 geboren und machte sich mit einer Vielzahl von plattdeutschen Gedichten einen Namen. Schüler aus der Klasse 4a der nach ihm benannten Grundschule Veldhausen trugen zur Aufstellung der Löwensteinköpfe zwei plattdeutsche Gedichte Carl van der Lindes vor und sangen das Lied „Hevenu Shalom Alechem – Wir wünschen Frieden euch allen“.

 

         
         
         
     
         
         
         
 
 
     
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