Unsere Schule
 

Landfrauen in unserer Schule

Siebenundzwanzig Fachfrauen trafen sich zum Erfahrungsaustausch
„2. Treffpunkt Schulverpflegung“
- Akzeptanz der Schulverpflegung verbessern -

 

Die Gestaltung ihres Beschäftigungsverhältnisses, Mensamarketing und Zeitmanagement waren nur einige Punkte, zu denen sich die siebenundzwanzig Fachfrauen beim „2. Treffpunkt Schulverpflegung“ austauschten und informierten. Das Netzwerk traf sich dazu auf Einladung der Landwirtschaftskammer in der Veldhauser Carl-van-der-Linde-Schule in der Grafschaft Bentheim.

"Fast eine perfekte Win-Win-Situation" nennt Karin Nichter-Wolgast, Sachgebietsleiterin der Landwirtschaftskammer, das Verhältnis zwischen der Ganztagsschule und den Fachfrauen. Denn einerseits generieren die Frauen Einkommen aus ihrer Tätigkeit in der Schulverpflegung und andererseits profitieren die Schulen von der hohen Qualifikation der Praktikerinnen. „Von Anfang an haben wir rundum ausgebildete und qualifizierte Fachfrauen dabei und das ist unser großes Glück“, so Schulleiterin Helga Vorrink in ihren Grußworten, als sie von den Anfängen des Mensabetriebes der Ganztagsschule im Jahr 2007 berichtet. Diese beiden Fachfrauen sind Friedegunde Lübben aus Nordhorn und Gerda Egberink aus Wilsum, beide hauswirtschaftliche Betriebsleiterinnen. Sie haben an einer Qualifizierungsmaßnahme der Landwirtschaftskammer zur Thematik „Ernährung, Hauswirtschaft und Schule“ teilgenommen und betreiben mit viel Herzblut die Mensa der Carl-van-der-Linde-Schule.
Dass der Bedarf an qualitativ hochwertiger Schulverpflegung wächst, machte Frieda Wolbert von der Kreisarbeitsgemeinschaft der Landfrauen Bad Bentheim deutlich. Denn mit mittlerweile rund 1.300 Ganztagsschulen in Niedersachen ist diese Organisationsform in den letzten Jahren rasant gewachsen. „Hier besteht eine große Chance für Frauen mit hauswirtschaftlicher Ausbildung ein Einkommen zu erwirtschaften, denn die Kinder wollen und müssen in der Ganztagsschule verpflegt werden.“
Die Teilnehmerinnen des Erfahrungsaustausches sind bereits in der Schulverpflegung tätig. Ob beim öffentlichen Schulträger, einer GmbH der Gemeinde oder über den Schulverein halbtags angestellt oder geringfügig beschäftigt - die Arbeitsverhältnisse gestalten sich unterschiedlich. Oft arbeiten die Frauen in Teams, d.h. sie teilen sich die Arbeitswoche. Viele Fachfrauen sind aber, trotz Team, an den Mittagen allein für die Verpflegung zuständig, haben höchstens noch eine Arbeitskraft bei der Ausgabe oder zum Spülen zur Hilfe. So auch Friedegunde Lübben, die im Durchschnitt 45 Schüleressen pro Tag zubereitet. Stolz führt sie ihre Berufskolleginnen durch die Mensa. „Frau Egberink und ich haben uns auf die Fahne geschrieben, so weit es geht auf Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. Zöliakie, Fructose- und Lactoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit sind für uns keine Fremdwörter.“ Natürlich koste es mehr Zeit, Extraportionen zuzubereiten, doch das nehmen die beiden in Kauf, denn schließlich sollen keine Kinder vom Mittagessen ausgeschlossen werden.

Zeit ist Knackpunkt im Mensabetrieb
Zeit - das ist einer der Knackpunkte im Mensabetrieb. Der Meinung sind die meisten Teilnehmerinnen. Oftmals würde die Arbeitszeit vom Träger zu niedrig angesetzt. Speisenplanung und Einkäufe seien so manches Mal ehrenamtlich. Denn die wenigsten Akteurinnen bekommen ihre Überstunden bezahlt. Einige Frauen wünschen sich auch für die Schüler etwas mehr Zeit, da viele aufgrund der kurzen Mittagspause in Hektik essen müssten. Muss die Essenausgabe dann auch noch von den Frauen allein übernommen werden, bleibt den Kindern aufgrund der längeren Warteschlange noch weniger Zeit zum Essen. Unzufriedene Schüler sind dann nicht selten.
Über die Vergütung der Frauen wurde auch diskutiert: es kommt sogar vor, dass Frauen als Fachkraft eingestellt werden, aber die Bezahlung einer Hilfskraft bekommen. „Erst wenn die Entlohnung besser wird, können wir von einer echten Win-Win-Situation sprechen“, so Nichter-Wolgast. Auch Hildegard Kuhr ist sich sicher: „Der Tag wird kommen, an dem die Vergütung besser wird. Dazu muss aber die Bedeutsamkeit der Schulverpflegung mehr ins öffentliche Verständnis gebracht werden.“
Auch im Gespräch: die Gestaltung der Küchen. Zu kleine Zubereitungsküchen, falsch angeordnete Spülküchen, zu wenige Kühlschränke, keine Büros und ein falscher Bodenbelag, sind keine Seltenheit, stellen die Akteurinnen fest. Elfriede Moos, Beraterin der Landwirtschaftskammer rät: „Setzen Sie sich mit ihrer Schulleitung und den kommunalen Vertretern zusammen, wenn es Probleme gibt und Sie Optimierungsmöglichkeiten sehen. Beziehen Sie den Förderverein der Schule mit ein, dann haben Sie auch die Eltern auf Ihrer Seite. Vernetzen Sie sich zusätzlich mit anderen Akteurinnen, um ihrer Schulleitung Beispiele liefern zu können, wo es vielleicht besser läuft. “ Natürlich sei es auch hier wieder der Faktor Zeit, der viele Frauen daran hindere, solche Gespräche zu suchen. Doch sie lohnten sich in jedem Fall, so die Einschätzung Moos.

Mensamarketing betreiben
Dass der ‚Runde Tisch’ aus Schüler-, Eltern-, Lehrer- und Kommunalvertretung die Möglichkeit ist, die Akzeptanz und Wertschätzung der Schulverpflegung zu erhöhen, sieht auch Milan Hollingshaus. Er ist Mitarbeiter der Vernetzungsstelle Schulverpflegung, die der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) angegliedert ist. Auch er empfiehlt: „Stellen Sie den Vertretern ihre Ideen vor, wie die Mensa in aller Munde kommt.“ Er habe die Erfahrung gemacht, dass das Thema Verpflegung für viele Schulträger neu sei und sie dankbar Anregungen entgegen nähmen. Eine gut gehende Kantine sei natürlich im Sinne des Trägers, da i.d.R. in den Mensabetrieb erheblich investiert würde. Er nennt Aktions- und Mottowochen, einen Tag der offenen Mensa oder die Einführung eines Treuebonus „Nach dem 9. Essen 1 Essen frei“ als öffentlichkeitswirksame Maßnahmen, die die Mensa ins Bewusstsein aller Beteiligten rücken lassen kann. Auch Kochaktionen mit den Eltern oder Lehrern hätten schon in einigen Schulen statt gefunden  „Selbst mit so einfachen Dingen wie der Präsentation des Essens oder einem Mensaflyer können Sie punkten. Und holen Sie ruhig die lokale Presse mit ins Boot“. Gute Erfahrungen hätten Kantinenbetriebe auch damit gemacht, Klassen-Patenschaften für die Mensa, zum Beispiel im Bereich der Dekoration, zu vergeben, die Schüler auch einmal hinter die Kulissen schauen zu lassen oder einen Kummerkasten aufzustellen. „Je mehr Möglichkeiten die Schüler haben, an der Verpflegung teilzunehmen, desto akzeptierter wird sie“, so Hollingshaus Ansicht. Auch die Möglichkeit, kleine Probeportionen zu versuchen, käme bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut an. Wenn durch diese Maßnahmen dokumentiert werden könne, dass die Verpflegungszahlen steigen, stehe der Schulträger auch den oftmals gewünschten Stundenaufstockungen i.d.R. gleich viel positiver gegenüber. 

Gesund bei Schülern negativ
Keinesfalls sollte versucht werden, den Kindern das Essen mit den Worten „Probier’ mal, ist gesund“ schmackhaft zu machen, gibt Beate Langenhorst, Beraterin der Landwirtschaftskammer zu bedenken. Besser sei „Probier’ mal, das schmeckt gut“, denn das Wort gesund sei bei Kindern eher negativ besetzt. Vermeintlich ungesunde Speisen dürfen und sollten angeboten werden, aber eben nur ab und zu. In Ihrem Vortrag „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit - Essen und Trinken bei Kindern und Jugendlichen“ kommt sie zu dem Schluss, dass Kinder jede Speise lieben lernen können. Ausschlaggebend hierfür sei z.B. das Essverhalten von Vorbildern, wie die Eltern oder Geschwister, Freunde oder Helden aus einer Geschichte. Auch die beim Essen herrschende Atmosphäre und ein positives Gemeinschaftsgefühl am Tisch wirken sich auf das Essverhalten aus. Zwar findet bereits im Mutterleib eine Prägung des Essverhaltens statt, der individuell geprägte Geschmack festigt sich aber erst im Laufe des Lebens durch tägliches Ernährungstraining. Eine Gewöhnung an ungewohnte Speisen braucht schlichtweg Zeit. „Nutzen Sie den ‚Mere-Exposure-Effekt’ aus: bieten Sie unbekannte Speisen immer mal wieder an. Dies führt in der Regel dazu, dass sie positiver von den Schülern wahrgenommen werden. Machen Sie die Kinder mit fantasievollen Namen oder einer ausgefallenen Optik neugierig auf die Mahlzeit“, so Langenhorsts Empfehlung. „Denken Sie trotzdem immer an Abwechselung im Speisenplan. Der Mechanismus der sogenannten ‚spezifisch geschmacklichen Sättigung’ sorgt nämlich dafür, dass permanente Wiederholung zur Ablehnung führt.“ „Aber eine permanente Wiederholung des Erfahrungsaustausches wünschen wir uns auf jeden Fall!“, lacht eine Teilnehmerin. 

Iris Kracke
Landwirtschaftskammer Niedersachsen

         
Friedegunde Lübben stellt den Teilnehmerinnen die Mensa vor
         
Referent Milan Hollingshaus von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung
         
         
         
         
     
         
         
     
         
         
     
         
     
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