Aktivitäten

 
Buchvorstellung „Löö en Tieden“
am 4.12.2008 im
Dorfgemeinschaftshaus in Osterwald
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Wochenblatt

29. Jahrgang, 50 Woche, Mittwoch, den 10. Dezember 2008

Carl van der Linde-Buch stieß auf großes Interesse
Faszinierender Heimatdichter vorgestellt

Von Andreas Meistermann.
Dass er 78 Jahre nach seinem Tod das Dorfgemeinschaftshaus in Osterwald füllen würde - da­mit hätte der Veldhauser Heimat­dichter Carl van der Linder wohl nicht gerechnet. Am vergange­nen Donnerstag war es aber so. Anlass war die Präsentation des Buches „Löö enTieden". Es ent­hält zahlreiche Gedichte und Prosatexte von Carl van der Lin­de sowie einen ausführlichen Einblick in seine Biographie. Die Begrüßung der zahlreichen Gäste erfolgte durch die Leite­rin der Carl van der Linde-Schu­le und maßgebliche Initiatorin des Projektes, Helga Vorrink. Sie hatte gemeinsam mit ihren Schü­lerinnen und Schülern eine Carl van der Linde AG gegründet und 5 Jahre an dem Buch gearbeitet. Nach einer musikalischen Einlage der Flötengruppe der Carl van der Linde sprach der Neuenhauser Samtgemeindebürgermeister Johann Arends Helga Vorrink, aber auch ihrem Mann Klaus Dank dafür aus, dass sie mit dem Buch ein Stück Kulturgut wie­derbelebt hätten. Landrat Friedrich Kethorn, der sich dem Dank an Helga und Klaus Vorrink anschloss, erin­nerte daran, dass der ehemalige Landrat und Mundart-Schrift­steller Wilhelm Buddenberg schon 1960 einen Versuch ge­startet habe, ein Buch mit Wer­ken von Carl van der Linde ver­öffentlichen, der leider scheiter­te. Jetzt aber sei es geschafft und mit dem Buch ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt der plattdeut­schen Sprache geschaffen wor­den. Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Dinkelland und jetzige Euregio-Vertreter Frans Willeme würdigte Carl van der Linde als ersten Europäer, der mit seinen grenzüberschreiten­den Geschichten viel zur Völker­verständigung zwischen Deutschland und den Niederlan­den beigetragen habe.
Dass Carl van der Linde auch Tex­te in Hochdeutsch verfasst habe, darauf machte Dr. Heinrich Voort von der Emsländischen Land­schaft aufmerksam. Eine beson­deres Geschenk hatte der Vorsit­zende der Grafschafter Sparkas­senstiftung, Huber Winter, die das Buchprojekt mit einer Spende un­terstützt hatte, mitgebracht: ein Portrait von Carl van der Linde, das in der Schule seinen gebüh­renden Platz finden soll.
Schulamtsdirektor Udo Tiemann lobte, dass die Namensgebung der Schule im Jahre 2004 nicht nur Etikett gewesen sei, sondern Bedeutung für das Schullleben habe. Mit der Einrichtung der Carl van der Linde AG und der Erstellung des Buches sei das Bewusstsein für ein regionales Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen sowie ein wichtiges Stück kulturelles Erbe erhalten worden. Damit, so Tiemann wei­ter, habe die Schule dem Erziehungs- und Bildungsauftrag nach dem niedersächsischen Schulgesetz entsprochen. Über das Buchprojekt berichtete Helga Vorrink. Positiv über­rascht, so Vorrink, war sie, 75 Jahre nach dem Tod von Carl van der Linde noch so viel Text- und Bildmaterial vorzufinden, das von den Veldhausenern zur Ver­fügung gestellt wurde. Einen Dank sprach sie den Schü­lerinnen und Schülern der Carl van der Linde AG aus, die 2400 Zeitungen (unter anderem „Der Grafschafter") auf Texte von Carl van der Linde untersuchten. 134 verschollene Werke wurden gefunden.
Leben und Werk von Carl van der Linde skizzierte der Historiker Dr. Kessemeier.
Wie er berichtete, wurde Carl van der Linde 1861 in Veldhausen geboren. Nach dem Besuch der Volksschule machte er eine Lehre als Buchdrucker bei der Druckerei Kip & Lammersdorf.  Wie damals üblich, ging es für Carl van der Linde nach der Be­endigung der Lehre auf Wander­schaft, die ihn bis nach Italien führte. Von 1884 bis 1909 war er beim Hamburger Fremdenblatt als Setzer tätig. 1911 kehrte er nach Veldhausen zurück und ver­öffentlichte Gedichte und Prosa­texte unter anderem in der Zei­tungsbeilage „Der Grafschaf­ter".
Kessemeier betonte in seinen Ausführungen zum Werk Carl van der Lindes die hohe Qualität der Texte, die sich durch eine Vielfalt an Themen und Motiven von Anekdotischem über Natur­beschreibungen bis hin zu tief­sinnigen Betrachungen aus­zeichne. Als eine Besonderheit stellte Kessemeier die Beschäf­tigung Carl van der Lindes mit politischen Themen heraus, die unter den Heimatschriftstellern seiner Zeit kaum üblich gewesen sei. Darüber hinaus würdigte Kesse­meier die soziale Einstellung Carl van der Lindes, die sich un­ter anderem durch sein Testa­ment (Neben seiner Schwester bedachte er das Evangelische Krankenhaus sowie Hilfsbedürf­tige) zeigte, sowie dessen tole­rante Haltung über Religions­grenzen hinweg. Gerade als Ju­de habe er Ausgrenzung erlebt und ein besonderes Gespür dafür gehabt.
Zwischen den Wortbeiträgen der Redner trugen Albert Rötterink vom Plattproater-Kring, die Schülerinnen und Schüler der Carl van der Linde-Schule, Fenna Friedrich, Gerhard Olthuis und Heinrich Kuiper Gedichte aus dem Werk von Carl van der Linde vor.            

 

GN    Montag, den 08.12.2008

Carl van der Linde füllte den Saal

Buch über den bekannten Grafschafter Autor in Osterwald offiziell vorgestellt

78 Jahre nach seinem Tod schaffte es der Veldhauser Heimatdichter Carl van der Linde, ein ganzes Dorfgemeinschaftshaus zu füllen. „Das hätte er sich nicht träumen lassen“, bemerkte Helga Vorrink, die Schulleiterin der nach dem Dichter benannten Veldhauser Grund- und Hauptschule in ihrer Anmoderation zur Vorstellung des Buches „Löö en Tieden“ (Leute und Zeiten).

mep Osterwald. Das Buch enthält auf 288 Seiten ausgewählte Texte und ein Lebensbild des Grafschafter Autors, der nicht nur Heimatdichter war, sondern auch zu politischen Themen Stellung nahm und eine ausgesprochen humanitäre Gesinnung besaß. Im weiteren Verlauf des Abends führte Helga Vorrink durch ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm, das den 420 Besuchern ein differenziertes Bild des Lebens und Wirkens Carl van der Lindes vermittelte.

Vor der eigentlichen Einführung in das Werk durch Siegfried Kessemeier gaben einige geladene Gäste ihre Gedanken zu dem Veldhauser Dichter wieder. Der Neuenhauser Samtgemeindebürgermeister Johann Arends dankte Helga und Klaus Vorrink, denen es in erster Linie zu verdanken gewesen sei, dass der Funke der Begeisterung für Carl van der Linde auf die Schüler übergesprungen sei. So sei ein Stück Kulturgut „wiederbelebt und bewahrt“ worden. Landrat Friedrich Kethorn erinnerte daran, dass schon der frühere Nordhorner Bürgermeister Wilhelm Buddenberg erste Versuche unternommen habe, Texte van der Lindes zu veröffentlichen. Mit dem Buch habe man das Vermächtnis und das bewegte Leben eines bedeutenden Heimatdichters neu entdeckt und sichergestellt. Damit sei auch ein „Bekenntnis für die plattdeutsche Sprache“ verbunden.

Euregio-Präsident Frans Willeme sagte, van der Linde sei viel gereist und „die erste überregionale Person diesseits und jenseits der Grenze“ gewesen. So wie er das Leben und Arbeiten beschrieben habe, hätten „junge Leute grenzüberschreitend an dem Buch gearbeitet“.

Heinrich Voort als Grafschafter Vertreter in der Emsländischen Landschaft stellte fest, dass es in Kultur und Sprache eine gemeinsame Vergangenheit der Grafschaft und des Emslandes gebe. Für van der Linde galten Grenzen wenig. Er „beherrschte auch die hochdeutsche Sprache meisterlich und habe eine „positive Einstellung technischen Erneuerungen gegenüber“ gehabt. „Carl van der Linde lebt in seinem Werk fort“, schloss Voort.

Hubert Winter ist Stiftungsratsvorsitzender der Grafschafter Sparkassenstiftung, die das Buchprojekt mit 20000 Euro unterstützt hat. Er sagte, van der Linde habe durch die Veröffentlichung „einen besseren Platz in der Kulturlandschaft“ erhalten. Winter überreichte der Veldhauser Grund- und Hauptschule ein überlebensgroßes Portraitbild des Dichters.

Schließlich hob Schulamtsdirektor Udo Tiemann hervor, dass der Name van der Linde für die Veldhauser Schule nicht Etikett sei, sondern im Sinne des schulischen Erziehungs- und Bildungsauftrages für das regionale Zusammengehörigkeitsgefühl bewusstseinsbildend wirke.

Helga Vorrink dankte der Sparkassenstiftung und der Stadt Neuenhaus, die 5000 Euro spendete, für ihre Unterstützung. Ein großes Lob habe sich auch die Veldhauser Bevölkerung verdient, die für sie „ein Mysterium“ sei, denn auch 78 Jahre nach dem Tode habe sie noch so viele Schriften van der Lindes bewahrt. Als Dank widmete sie das Buch den Einwohnern Veldhausens. Ein druckfrisches Exemplar überreichte sie anschließend den acht Schülerinnen und Schülern, die sich in ihrer AG unter der Leitung ihres Mannes Klaus Vorrink ein halbes Jahr lang mit dem Werk van der Lindes auseinander gesetzt hatten. Mit dabei waren Stefanie Romboy, Stine Vrielmann, Nina Weiden, Timo Brinkers, Florian Buttelmann, Florian Kerckhoff, Kai Köppelmann und Jan Kuipers.

Der Sauerländer Historiker Siegfried Kessemeier sagte in seiner Festansprache, dass van der Linde ein „origineller, beachtenswerter Mundartdichter“ mit einem eigenen Humor gewesen sei. Die Texte, die einen „vortragsnahen Stilduktus“ besäßen, hätten in gesprochener Form durch „die Rezitation des Autors ihr eigenes Leben gewonnen“. Das Besondere an den Gedichten sei gewesen, dass sie die internationale Politik kommentierten und als „volkstümliche aktuelle Leitartikel einzigartige Schlaglichter auf die politische Lage der zwanziger Jahre“ warfen. Bemerkenswert sei auch die „offene Humanität und Toleranz“ des Dichters gewesen, dokumentiert durch sein Testament, in dem er sein Vermögen einer Stiftung zukommen ließ, die hilfsbedürftige Menschen Velhausens unterstützen sollte.

Albert Rötterink vom Plattproaterkring vertiefte den Vortrag Kessemeiers mit beispielhaften Gedichten van der Lindes. Fenna Friedrich und Gerhard Olthuis sowie Grundschulkinder der Plattdeutsch-AG trugen weitere Gedichte vor, und eine Musikgruppe der Grundschule erfreute die Gäste eingangs mit einem Flötenspiel.

Schließlich unterhielt das Veldhauser Original Heinrich Kuiper die Zuhörer mit Geschichten und Gedichte von und über Carl van der Linde. „Lest en houd sien Wark in Ehren“, empfahl er den Gästen.
 
 
 

GN    Freitag, den 14.11.2008

Wiederentdeckung eines Autors

„Löö en Tieden“: Auf 300 Seiten Texte und Lebensbild
des Carl-van-der Linde

Ein außergewöhnliches Buchprojekt geht seiner Vollendung entgegen. Es würdigt einen bedeutenden Grafschafter Heimatlyriker und wartet mit etlichen, bislang unveröffentlichten Dokumenten auf.

gd veldhausen.
Die „Wiederentdeckung“ Carl van der Lindes geht weiter. Nachdem zu Jahresbeginn 2004 die Grund- und Hauptschule Veldhausen zur Namenspatronin des Heimatdichters geworden ist, wird nun ein 300 Seiten starkes Buch erscheinen, dem umfangreiche Forschungen vorausgegangen sind. „Löö en Tieden“ (Leute und Zeiten) wird am Donnerstag, 4. Dezember, in einer öffentlichen Veranstaltung um 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Projektkoordinator Klaus Vorrink erwartet an diesem Abend rund 500 Besucher, unter ihnen Vertreter von Kreis und Samtgemeinde Neuenhaus, der Euregio, der Emsländischen Landschaft, der Kreissparkasse und des Schulamtes.

Klar im Mittelpunkt stehen soll allerdings die Buchvorstellung selbst. „Löö en Tieden“, herausgegeben von der Carl-van-der-Linde-Schule, geschrieben und zusammengestellt von Schulleiterin Helga Vorrink, dem Münsteraner Historiker Dr. Siegfried Kessemeier und Dr. Carin Gentner, enthält eine Auswahl der Gedichte und Erzählungen des in Veldhausen geborenen Niedergrafschafter Autors (1861-1930) sowie ein 125 Seiten umfassendes Lebensbild und begleitende Informationen. „Ein bedeutender plattdeutscher Autor wird wiederentdeckt“, kündigt Helga Vorrink an. Das von zahlreichen Helfern unterstützte Buch – darunter die von Schülerinnen und Schülern gebildete „Carl-van-der-Linde-AG“ – werde den Heimatdichter jüdischer Herkunft, einst Buchdrucker und Schriftsetzer bei Kip in Neuenhaus, in ein „ganz neues Licht rücken“. Das Buch werde deutlich machen, dass van der Linde aus heutiger Sicht sehr viel mehr als ein „Lokalpoet“ gewesen sei. Er habe vielmehr einen wichtigen Beitrag zur niederdeutschen Literatur der 1920er Jahre geleistet, meint Vorrink.

Für Dr. Kessemeier, der sich mit Carl van der Linde seit geraumer Zeit intensiv beschäftigt, gibt es im lyrischen Schaffen des Autors zwei große Bereiche: den der Heimatgeschichte und den der politischen Geschichte. „In unserer Auswahl für das Buch versuchen wir, sowohl dem einen wie dem anderen Raum zu geben“, sagte der Wissenschaftler. Er zieht das Resümee: „Carl van der Linde heute lesen, heißt: einer vergangenen Welt zu begegnen und daraus Erkenntnisgewinn und Freude zu schöpfen, heißt aber auch: die Ausdruckskraft und Fülle alter Sprache zu erfahren.“

Im Verlauf ihrer Recherchen hat die Projektgruppe nach Klaus Vorrinks Worten eine Reihe überraschender Funde gemacht – etwa rund 30 bisher unveröffentlichte Originalmanuskripte. Hinzu kommen zahlreiche, ebenfalls noch nicht veröffentlichte Fotografien, die von der Veldhausener Bevölkerung zur Verfügung gestellt worden sind.

Nach dreijähriger Arbeit liegt also demnächst das Ergebnis in Buchform vor. Noch ist nicht ganz klar, zu welchem Preis es zu haben sein wird, doch soll die 20-Euro-Marke nach Angaben von Klaus Vorrink möglichst nicht überschritten werden, um es einem möglichst breiten Leserkreis zugänglich machen zu können. Dass es an Interesse nicht mangeln wird, glauben die Buch-Macher fest: „Löö en Tieden“ erscheint immerhin in einer Auflage von 2000 Exemplaren.

In Osterwald wird am 4. Dezember übrigens einiges aus dem Werk auch zu hören sein, nämlich „plattdüütsche Togiften, sprökken van Albert Rötterink“. Dazu wird Fenna Friedrich „Dat aule Platt“ präsentieren, und die Schulkinder der Carl-van-der Linde-Schule tragen unter anderem „Sünderklaas“ und „Datt Auldershuus“ vor.

         
         

DE TWENTSCHE COURANT

Tubantia Woensdag 12 November 2008

         
Joodse grensganger uit de "Groafschupp"
         

Zijn taal was het plat-Duits, zijn publiek vond hij in de graafschap Bentheim, Twente en Drenthe, maar zijn geestelijke Heimat was de wereld. Lange tijd leek de joodse platschrijver Carl van der Linde (1861-1930) uit Veldhausen vergeten. Een nieuw boek wekt hem en zijn - meer dan eens politiek getinte - werk tot leven.

Op het eind moet hij enigszins le­vensmoe zijn geweest. Licht wan­hopig ook, dat om hem heen steeds meer mensen de blinde ra­zernij van het nationaal-socialisme omarm­den. Terwijl hij een leven lang had gepleit voor rede en verdraagzaamheid tussen de mensen. Voor toenadering en het overschrij­den van grenzen tussen volken en religies. Van der Linde, die in 1861 in Veldhausen (noordelijk van Nordhorn) werd geboren, heeft dat laatste zelf steeds opnieuw gedaan. Hij was vanaf ongeveer 1910 - toen hij na een bestaan als zetter in Hamburg in Veldhausen terugkeerde en in het dialect begon te schrij­ven - tot zijn dood steeds op pad in de graaf­schap Bentheim en het aangrenzende Twen­te en Drenthe.

 
 

Hij moet een boeiend spreker zijn geweest. Gedreven en geestig. Iemand die de 'kleine Leute', voor wie hij zijn plat-Duitse gedichten en verhaaltjes in de allereerste plaats schreef, kon enthousiasmeren. Iemand ook voor wie de zaalhouders aan beide kanten van de grens graag reclame maakten. De komst van Carl van der Linde betekende volle zalen en een mooie omzet, of hij nu in Nordhorn, Coevorden of Ootmarsum sprak. Van der Linde's verhalen - die ook in regiona­le Duitse kranten werden gepubliceerd - ko­men meestal niet boven de aardig verpakte anekdote uit, zegt doctor Siegfried Kesse-meier uit Munster. „Maar zijn gedichten heb­ben niveau. Niet elk, maar de meeste wel." Kessemeier is betrokken bij een poging de dialectschrijver opnieuw onder de aandacht te brengen.
Van der Linde's werk, dat nu in het boek Löö en lieden is samengebracht, put uit het dage­lijks leven van de gewone mensen (de Löö) in de 'Groafschupp'. Maar anders dan de meeste platschrijvers gebruikte Van der Lin­de het dialect ook om politieke 'statements' af te leggen. Om zijn licht te laten schijnen over de 'grote' gebeurtenissen van zijn tijd (de Tieden). Over de economische crises van de jaren twintig, de geldontwaarding, de pro­blemen in de landbouw of over de internatio­nale conferenties na de Eerste Wereldoorlog die het verslagen Duitsland vernederend zwa­re herstelbetalingen oplegden. „Ik ken niemand onder de platschrijvers die op deze manier op de belangrijke thema's uit die jaren,heeft gereageerd", oordeelt Kesse­meier, die veel onderzoek naar dialectschrij­vers heeft gedaan. De toon in Van der Lin­de's politieke gedichten is daarbij 'patriot­tisch'. „Maar", benadrukt Kessemeier, „zon­der een rechtse scherpslijper te zijn. Hij ver­bindt in zijn werk 'Heimatverbundenheit' met tolerantie en openheid tegenover de wereld." Die mooie, humane mix van achtergronden en interesses die in de persoon Carl van der Linde samenkwamen, maakt hem ook voor de huidige tijd nog tot een spannende, inspi­rerende figuur. Kessemeier is zich ook daar­om met Van der Linde gaan bezig houden. „Het verhaal was altijd dat joodse schrijvers niet in de streektaal schreven. Ik wilde bewij­zen dat de joodse integratie in Duitsland voor de Tweede Wereldoorlog veel verder was voortgeschreden dan de nazi's beweer­den. Wie streektaal schrijft is bij uitstek geïn­tegreerd. De nazi's ontkenden dat en waar dat toe heeft geleid, weten we." Hoezeer Van der Linde in Veldhausen gewor­teld was, bleek een paar jaar geleden toen het plan ontstond de basisschool naar hem te vernoemen. De oproep om met verhalen of materiaal over de streektaalschrijver te ko­men leverde een rijke oogst op, die deels in het boek is verwerkt. „Hij was volledig aan­vaard, een Veldhausener met de Velhause-ners', zegt Helga Vorrink, schooldirecteur en betrokken bij het boekproject. Van der Linde's 'Heimatverbundenheit' ken­de overigens geen landsgrenzen. Vooral voor Nederland koesterde hij warme gevoelens,

In Carl van der Linde komen
de 'kleine' en de 'grote' wereld samen

zegt Kessemeier. Dat blijkt uit de vele optre­dens die hij in Twente en Drenthe verzorgde. En het blijkt uit het gedicht Holland en de Groafschupp, waarin hij op de onwrikbare vriendschap tussen Bentheim en Nederland wijst, waar geen oorlog of dwingelandij ooit een eind aan zou kunnen maken. Het ge­dicht uit 1920 circuleerde iri de Tweede We­reldoorlog in verzetskringen aan beide kan­ten van de grens. Als stil protest tegen de ras­senwaan en het agressieve nationalisme van de nazi's. En als teken van Duitslands verbon­denheid met het Westen en de menselijk­heid.
In een gedicht over de rijksdagverkiezingen van 1920 reageert Van der Linde al vroeg op de opkomst van extreem-rechts en de joden­haat, die pas ruim tien jaar later een hoge vlucht zal nemen. Tegenover alle haat, de eeuwige behoefte anderen te vernederen en te onderwerpen, het onophoudelijke vech­ten waarvan de geschiedenis doortrokken is, stelt Van der Linde steeds opnieuw een een­voudig Menfilichkaïtsgefóhl, dat niemand uitsluit.
De liberale, tolerante geest die uit zijn werk spreekt, is wellicht beïnvloed door zijn 'prachtige omzwervingen', vermoedt Kesse-meier. Van zijn zeventiende tot zijn negen­tiende trok hij onder meer door Duitsland, Oostenrijk, Noord-Italië en Hongarije. Een tamelijk ongewone reis voor die dagen, die hem de ogen openden voor de rijkdom aan (regionale) culturen en religies die Europa kent. Voor Van der Linde hadden al die uitin­gen van de menselijke geest bestaansrecht. Naast elkaar en met elkaar. Hetzelfde geldt ook voor het geloof Van der Linde was een diepvrome jood die regelma­tig naar de synagoge ging, zegt Kessemeier. Maar hij was allesbehalve eenkennig. Hij kwam ook in de christelijke kerken in Veldhausen. En hij kon regelmatig op straat wor­den aangetroffen, verwikkeld in religieuze discussies. Waarbij hij op zijn geheel eigen wijze ver bleef van laatste waarheden. Op de vraag welke confessie de beste is, moet hij ooit hebben geantwoord: 'Dat weet ik nich, dat möt wieofwochten'.

Holland en de Groafschupp

Seht noa't Oosten, Süden, Westen,
Overall datsölve Spill:
Een will andre öwerwinnen,
Willt se nich, as he wall will,
Soa wot Freundschupp dann vergetten,
Free en Eendracht giff  men up,
Holland en de Groafschupp Benthem
De haultgude Noaberschupp.

Noabers hebbt soa vake Arger,
Kwoad, Verdreet se sick andot,
Wo se sick söllt nutzen, stutten,
Target se sick mangs up 't Bloot,
Byt Verschell geht dann dat beste
Menschlichkaitsgefóhl derup!
Holland en de Groafschupp Benthem
De haultgude Noaberschupp.

Holland en de Groafschupp Benthem
Hebbt gin Mifigunst, kenntgin Haß,
Holland en de Groafschupp Benthem
Helpt sick, wo et kump te paf;
Mögt sick andre Völker targen,
Dat de Leewde sick verkrupp,
Holland en de Groafschupp Benthem
De haultgude Noaberschupp.

De tweede, vierde en vijfde strofe van 'Holland en de Groafschupp' van Carl van der Linde. Het gedicht werd in de Tweede Wereldoorlog door verzetsmensen aan bei­de kanten van de grens gebruikt om uitdrukking te ge­ven aan onderlinge verbondenheid en als stil protest te­gen het nationaal-socialisme.

Bij zijn overlijden bleek dat hij in zijn testa­ment 'de minsten der mijnen' in Veldhausen had bedacht. Ook atheïsten, gescheidenen of anderen die rond 1930 aan de rand van de sa­menleving stonden. Alleen aan dronkelap­pen mocht zijn geld niet worden besteed. De grootmoedigheid, het liberale, de ruim­denkendheid die Carl van der Linde eigen was, lag toen al zwaar onder vuur in zijn va­derland. Hij stierf in 1930 aan een hartin­farct, nog voor de storm van het nazisme echt over Duitsland - en daarna over Europa - zou woeden. Andere platschrijvers zwegen over de dreiging of bezweken zelfs voor de verleidingen van het Blut und Boden-denken. „Van der Linde heeft het kwaad als geen an­der visionair zien aankomen", zegt Kesse-meier. „Hij is gestorven voor het tot volledi­ge ontplooiing kwam. Misschien moet je dat in zekere zin zelfs een geluk noemen."
Löö en Tieden. Carl van der Linde, Ausgewählte Texte und ein Lebensbild, verschijnt eind novem­ber. In het boek zijn 234 gedichten en verhalen van Van der Linde bijeengebracht, die voor een groot deel nieuw ontdekt zijn. In de bundel zijn ook de 70 stukken opgenomen die in 1930 in de bundel 'Grappen en Grillen' verschenen.
Van der Linde schreef in het dialect van de graafschap Bentheim.

„Hij is gestorven voor het kwaad tot volledige ontplooiing kwam. Misschien moet je dat in zekere zin zelfs een geluk noemen."
Dr. Siegfried Kessemeier

         

GN vom 28.11.2008

 „Das Lebensbild ist jetzt vollständig“

 

„Löö en Tieden“ räumt auf mit den meisten Legenden um den Heimatdichter Carl van der Linde

Von Daniel Klause - Veldhausen.

Ein ambitioniertes Buchprojekt ist gestern abgeschlossen worden. In der Schule, die seinen Namen trägt, nahmen die Herausgeber Helga Vorrink und Siegfried Kessemeier die ersten, noch druckfrischen Exemplare von „Löö en Tieden (Leute und Zeiten), Carl van der Linde, ausgewählte Texte und ein Lebensbild“ in Empfang. Mit dabei waren der Koordinator des Projekts, Klaus Vorrink, die Mitautorin Carin Gentner und Simone van Nes, die das 288 Seiten starke Buch gestaltet hat. Die Druckerei Hellendoorn in Bad Bentheim hat 2000 Exemplare gedruckt, die in Kürze zum Preis von 20 Euro pro Stück im Buchhandel erhältlich sind.

„Wir haben das Gefühl, dass das Lebensbild jetzt vollständig ist“, sagte Helga Vorrink, Leiterin der Carl-van-der-Linde-Schule, die das Buch- und Forschungsprojekt vor einem Jahr in Auftrag gegeben hat. Das Buch sei ein wichtiges Dokument für die Schule. Es legitimiere die Entscheidung aus dem Jahr 2004 für Carl van der Linde als Namensgeber der Schule, so Vorrink.

Für Siegfried Kessemeier waren die Texte, in denen van der Linde Stellung nimmt zu politischen Themen der Weimarer Republik der eigentliche Grund, sich auf das Projekt einzulassen. Der promovierte Historiker und ehemalige Leiter der Abteilung für Landesgeschichte am Westfälischen Landesmuseum in Münster ist ein ausgewiesener Fachmann für das Werk niederdeutscher Autoren jüdischer Herkunft. Über die Beschäftigung mit Eli Marcus, eines westfälischen Juden, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts plattdeutsche Texte veröffentlicht hat, stieß Kessemeier eher zufällig auf van der Linde. 2006 erfuhren Kessemeier und Vorrink, dass beide, unabhängig voneinander über Carl van der Linde forschen. Man tat sich zusammen.

Marcus, van der Linde und einige andere seien Beispiele dafür, dass die Juden auch auf dem Land nicht außerhalb, sondern in der Mitte der Gesellschaft gestanden hätten, sagt Kessemeier. Ob van der Linde ein gläubiger Jude war, der seine Religion praktizierte, ist nicht bekannt. In seinen Texten komme aber eine humane Grundhaltung zum Ausdruck, die typisch sei für seine jüdische Herkunft.

Eine besondere Bedeutung habe van der Lindes Gedicht „Holland en de Groafschupp“ aus dem Jahr 1928 erlangt, in dem er die Freundschaft der beiden Länder betont. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein habe es deutschen und niederländischen Widerstandskämpfern quasi als Erkennungszeichen gedient, so Kessemeier.

Die Erforschung der politischen Dimension in van der Lindes umfangreichem Werk ist das eigentlich Neue an „Löö en Tieden“. Um die zeitkritischen Gedichte und Texte aus den 1920er Jahren heute noch verstehen zu können, finden sich am Ende des Buchs Erklärungen zu den Geschehnissen, auf die sich van der Linde bezieht.

Zwei Drittel der Gedichte und Texte sind neu, bei den anderen haben die Herausgeber möglichst die Originalfassungen verwendet. „Nicht alles, was er geschrieben hat, war Gold. Für das Buch haben wir das ,Best of’ ausgesucht“, erklärt der Historiker. Um Original- und Begleittexte besser auseinander halten zu können, ist das Buch auf zwei Papiersorten gedruckt worden.

„Löö en Tieden“ schafft aber noch mehr. Es räumt mit einigen Legenden auf, die bis heute um van der Linde ranken. Auf einer Karte wird die Route nachgezeichnet, die der junge Buchdrucker nach der Lehre bei der Druckerei Kip in Neuenhaus nahm. Die Wanderschaft des Gesellen dauert von 1878 bis 1880. Raum für Spekulationen lassen allein die Jahre 1880 bis 1884 zwischen seiner Rückkehr von der Wanderschaft und dem Umzug nach Hamburg. Seine Zeit als Schriftsetzer beim „Hamburger Fremdenblatt“ (1884 bis 1909) zeichnet Carin Gentner nach. Die Periode bis zum Tod van der Lindes am 13. Januar 1930 hat Kessemeier erforscht. „Wiederentdeckung eines Heimatdichters“ ist das Kapitel überschrieben, in dem Helga Vorrink berichtet, wie es zur Namensgebung der Schule kam.

Herausgeber Kessemeier hofft, dass die Grafschaft durch das Buch als ein Landkreis entdeckt werde, in dem es bedeutende plattdeutsche Autoren gab. „In der Grafschaft kennt fast jedes Kind van der Linde und die anderen Autoren, aber außerhalb kennt sie niemand“, sagt der Historiker.

         

Wochenblatt

29. Jahrgang, 49 Woche, Mittwoch, den 3. Dezember 2008

Carl van der Linde: ausgewählte Texte und ein Lebensbild

Buch über Heimatdichter
GW Veldhausen (gb).

Die ersten Exemplare eines neuen Buches über den Grafschafter Schriftsteller Carl van der Linde sind am vergangenen Donnerstag den Herausgebern Helga Vorrink und Dr. Siegfried Kessemeier übergeben worden. Mit dabei waren auch die Mitautorin Dr. Carin Genter, die Buchgestalterin Simone van Nes und Projektkoordinator Klaus Vorrink. Das 288 Seiten starke Buch mit dem Titel „Löö en Tieden, Carl van der Linde, ausgewählte Texte und ein Lebensbild" enthält zum größten Teil bisher unbekannte Texte von Carl von der Linde, sowie auf rund 125 Seiten ein Lebensbild des Autors. Um Original- und Begeleittexte besser unterscheiden zu können, wurden zwei Papiersorten verwendet. Das von der Sparkassenstiftung maßgeblich unterstützte Buch wird in einer Auflage von 2000 Exemplaren herausgegeben und kostet 20 Euro. lm Sommer 2006 trafen sich Helga Vorrink, Leiterin der Carl-van-der-Linde-Schule Veldhausen, und Dr. Siegfried Kessemeier, Historiker und Experte für jüdische Niederdeutsch-Autoren aus Münster, das erste Mal, um sich über das Leben und Werk von Carl von der Linde auszutauschen. Ein Jahr später beschlossen sie dann, ihre Erkenntnisse in Bucheform zu veröffentlichen. Unter der Leitung von Klaus Vorrink wurde eigens eine „AG" an der Carl-van-der-Linde-Schule gegründet, um verschollene Texte ausfindig zu machen und eine Sammlung der Werke anzulegen. Mit großem Erfolg, wie sich bald herausstellte, denn es konnten etwa 134 bisher unbekannte Originalmanuskripte aufgespürt werden. War Carl van der Linde bislang in erster Linie als Heimatdichter bekannt, so rückt „Löö en Tie­den" den Autor in ein ganz neues Licht, denn als zweiter großer Bereich in seinem lyrischen Schaffen spiegeln seine politischen Gedichte in eindrucksvoller Weise die schwere und spannungsvolle Zeit der Weimarer Republik von 1920 bis 1928 wieder. „Seine Gedichte werfen einzigartige Schlaglichter auf die politische Entwicklung der Zwanziger Jahre", schreibt Siegfried Kessemeier. Carl van der Linde sei nicht der einzige jüdische Mundartautor in Norddeutschland gewesen. So sei in der westfalischen Nachbarschaft der nur wenig ältere Eli Marcus ebenso vorbehaltlos in der plattdeutschen Kulturszene seiner Heimatstadt Münster integriert gewesen wie van der Linde in der seinen. In der Grafschaft Bentheim mit ihren verschiedenen christlichen Konfes-sionen sei ein jüdischer Mund­artautor keineswegs etwas Ungewöhnliches gewesen. Carl van der Linde wurde 1861 in Veldhausen geboren. Nach einer Buchdruckerlehre bei Kip und Lammersdorf in Neuenhaus ging er von 1878 bis 1880 auf Wanderschaft. Sein Weg führte ihn durch Norddeutschland bis zur Ostseeküste, nach Süddeutschland, Österreich, Norditalien, Ungarn, Schlesien und Sachsen. Auf einer Karte in „Löö en Tieden" kann man diese Wanderroute nachverfolgen. Von 1884 bis 1909 war Carl van der Linde Schriftsetzer beim „Hamburger Fremdenblatt". Über diese Zeit berichtet Carin Gentner.
Als plattdeutscher Autor ist Carl van der Linde nur zehn Jahre, von 1920 bis 1930, tätig gewesen. In dieser Zeit hat er rund 400 Gedichte und 40 Prosatexte geschrieben. „Carl van der Linde heute zu lesen, heißt die Ausdruckskraft und Fülle einer alten plattdeutschen Sprache zu erfahren", sagt Siegfried Kessemeier, „den Niederdeutschen außerhalb der Grafschaft mag das plattdeutsche Werk van der Lindes endlich als ein bedeutender Beitrag zur Literatur der 1920er Jahre bewusst werden." Unter der Überschrift „Wiederentdeckung eines Heimatdichters" berichtet Helga Vorrink wie es 2004 zur Umbenennung der Grund- und Hauptschule in „Carl-van-der-Linde-Schule" kam.
Am morgigen Donnerstag, dem 4. Dezember, 19.30 Uhr, wird das Buch im Dorfgemeinschaftshaus der Öffentlichkeit vorgestellt.
Koordinator Klaus Vorrink rechnet mit rund 500 Gästen. Dann werden auch Texte von Carl van der Linde zu hören sein, vorgetragen von Albert Rötterink, Fenna Friedrich sowie Schülerinnen und Schülern der Carl-van-der-Linde-Schule.

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